Libretto list

Hans Heiling Libretto

Erste Szene.

(Das Innere von Heilings Wohnung)

Königin (unsichtbar)
O Bleib' bei mir!

Geisterchor (unsichtbar)
O bleib' bei uns,
die Geister dienen
[mit/auf] Wort un Mienen
willig dir.

(Man sieht Heiling aus einem unterirdischen Gange heraufsteigen, das Schmuckkästchen in der Hand. Er blickt den Gang hinab, der sich schließt.)

Heiling
Auf ewig schließe dich, du dunkler Gang,
ich will dich nicht mehr gehen.
(Er tritt zu dem aufgeschlagenen Zauberbuch an den Tisch.)
Ihr mächt'gen Zeichen, durch deren Spruch
ich alle Geister [zwinge/banne], verstummt auf immerdar.
(Er schlägt das Buch zu und schließt die Klammern.)
Umfange mich mit Liebesarmen nun,
du reiche Erde und halte Wort mir,
ganz bin ich nun dien.
(Er legt den Schmuck weg, schürt die Glut des Feuers, usw.)

Gertrude (außen an der Tür pochend)
Meister Heiling!

Heiling (stutzt)
Wer ruft?

Anna
Meister Heiling, guten Morgen!

Heiling (entzückt):
Sie ist es! Sie!
( Er eilt die stark verriegelte Türe zu öffnen und führt Anna und Gertrude herein.)

Willkommen mir auf dieser Stelle,
den Himmel trägst du über meine Schwelle,
zum erstenmale unter meinem Dach,
darf ich zum Gruße diese Hände faßen.

Anna (unbefangen):
Und gestern habt den ganzen Tag
Ihr wieder Euch nicht sehen laßen.

Gertrude:
Es hat uns recht um Euch gebangt...

Heiling (zu Anna):
So hat dein Herz nach mir verlangt?

Anna:
Ei ja! Ei ja, es hat mich recht verdroßen,
daß Ihr Euch abermals verschloßen,
was, ja was habt gestern Ihr gemacht?

Heiling:
Nur an dich! ja nur an dich hab' ich gedacht;
doch nun soll uns nichts mehr scheiden,
nie will ich dich wieder meiden.

|Anna:
|Recht so, laßt die Heimlichkeit
|die ja keinen Menschen freut,
|stellt das düstre Grübein ein,
|lernet froh und lustig sein!
|
|Gertrude:
|Wie an solcher Zärtlichkeit
|sich mein Mutterherz erfreut,
|ja, in solchen Glückes Schein
|wird mein Alter sorglos sein.
|
|Heiling:
|Ja, ich tu' mit Freudkeit,
|was dein holder Mund gebeut,
|nenn' ich dich erst Teure mein,
|werd' ich fröhlich, selig sein.

(Heiling trifft Anstalten, Gertrude und Anna das Haus zu zeigen. Gertrude redet ihrer Tochter zu, einen so reichen und gelehrten Mann zu erhören, muß sie in drei Tagen Heiling heiraten. Sie tritt an den Tisch, wo Heilings Zauberbuch liegt, und versucht es zu öffnen.)

Anna (In das Zauberbuch blickend):
Ha, welche Zeichen,
so glänzend und schön,
wie sie nahen und weichen,
wie ich['s] nie gesehn.
Wirre Gestalten
treiben und walten,
schwellen wie Wellen,
wie sie sich verschlingen,
mächtig auf mich dringen.

(Die Blätter schlangen sich von selbst um.)
[Immer mehr! Immer mehr!
Sie schwindeln und drehn, die Sinne mir vergehn,
Entsetzlich! Entsetzlich! Was hab' ich gesehn?]

Heiling (Tritt heftig herbei):
Unselige! Unselige!
Was hast du getan?

(Er schlägt das Buch zu, und stößt Annas Hand vonsich. Anna sinkt in Gertrudes Arme.)

Welch' toller Wahnsinn
trieb dich an?
Hinweg! Vermeßene!

Gertrude:
Was ist dir? O mein kind!

Anna:
Wehe mir!

Heiling (sich besinnend, zu Anna):
Verzeihe mir!

Gertrude:
Ach mein Kind!

Heiling (Er will Anna liebkosend in den Arm nehmen):
Erhole dich, laß deine Angst mich stillen.

Anna (reißt sich los):
Nein, um aller Heil'gen willen,
vernichtet das Buch, schafft['s zur/mir] Ruh'!

Heiling:
Anna, was verlangest du?

Anna:
Fort das Buch, hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich je heiter sehn!
[Hat mein Bitten keine Kraft,
Ist Eure Liebe schon dahin?
Aus Erbarmen willigt ein,
Ich vergeh' vor Pein!]

Heiling:
Anna, was verlangest du?

Anna:
Hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich wieder heiter sehn!
Hat mein Bitten keine Kraft,
ist Eure Liebe schon dahin?
Aus Erbarmen willigt ein,
ich vergeh' vor Pein!

Heiling (für sich):
Meine hohe Wißenschaft,
meinen Stoltz und meine Kraft,
gäb' ich dahin!
Soll ich die Geister ganz befrein,
fürder machtlos sein?

Anna (Immer drängender):
Fort das Buch, hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich je heiter sehn.
Hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich wieder heiter sehn!
Hat mein Bitten keine Kraft,
ist Eure Liebe schon dahin?
Aus Erbarmen willigt ein,
ich vergeh' vor Pein!

(Sie schmeigt sich ängstlich an Heiling.)

Heiling:
Alles muß ich dir gewähren!
(Er faßt das Buch mit beiden Händen.)
Mag die Flamme dich verzehren!
(Er schleudert es auf den Herd, eine lohende Flamme schlägt auf und verschlingt das Buch. Es donnert dumpf. Heiling tritt zu Anna.)

Heiling:
Machtlos, arm steh'ich nun hier,
all mein Glück liegt nun in dir!

Gertrude:
Den Heil'gen Dank!

Anna:
O tausend, tausend Dank!

Heiling:
Sei mir nicht bang...
| Sei mir nicht bang!
| O mein ganzes Leben
| Muß ich dir ja geben,
| Nichts ist mir f&uumlr dich zu teuer!
|
| Anna:
| O tausend Dank!
| Ihr habt neues Leben
| Mit zurückgegeben.
| Bub atm'ich wieder freier.
|
| Gertrude:
| Den Heil'gen Dank!
| Er hat nachgegeben,
| Kann nicht widerstreben,
| Das ist ein gefäll'ger Freier.

(Anna und Gertrude danken ihm. Anna bemerkt die Goldkette, die Heiling trägt, und die er ihr nun umlegt.)

Heiling:
An jenem Tag, da du mir Treue versprochen,
als ich in Wonn' und Schmerz zu deinen Füßen rang,
da, ja da, ist in meiner Brust der Morgen angebrochen,
gestillt zum erstenmal war meiner Seele Drang.
Aus trüber, freudenloser Nacht
Bin ich zum hellen Leben da erwacht.
Du, ja du, hast üverschwenglich selig mich gemacht!

(innig, doch mit heimlicher Drohung)

O laß die Treue niemals wanken,
halt fest die Liebe in deinem Herzen,
In dir nur lebe ich!
Ich liebe dich so ohne Schranken,
Ich liebe dich mit tausend Schmerzen,
mit Höllenqualen lieb' ich dich!

Könntest du je von mir laßen,
Könnte je dein Herz erkalten,
Weh! uns beiden dann!
Schon bei dem Gedanken faßen
mich die finstern Gewalten,
treiben zu gräßlicher Rache mich an!

Ich liebe dich mit blutendem Herzen,
Ich liebe dich mit enlosen Schmerzen,
mit Argwohn und Bangen,
mit rasendem Verlangen!

(Er wirft sich Anna zu Füßeb und verbirgt sein Gesicht in ihrer Kleidung. Anna richtet ihn auf und beruhigt ihn. In drei Tagen sollen sie heiraten, aber an dem Tag wird das Fest des heliegen Florian gefeiert, und Anna möchte gern an deb Festlichkeiten im Dorf teilnehmen, Falls sie gehen, besteht Heiling darauf, daß Anna nicht tanzen darf.)

Wohlan! Wohlan!
So laßt uns gehen!

Anna:
| O herrlich, o prächtig,
| das ist schön!
| O herrlich, das ist schön,
| Daß wir nun doch zum Feste gehn.
|
| Gertrude:
| Seht, Meister Heiling, das ist schön,
| Daß Ihr sie laßt zum Feste gehn.
|
| Gertrude:
| Seht, Meister Heiling, daß ist schön,
| Daß Ihr sie laßt zum Feste gehn.

Anna (mit der Kette spielend und unherhüpfend):
Nun macht das Gechmeide
mir erst rechts Freude,
Denn heimlich und allein
Kann mich nichts erfreuen.
Die Mädchen und Frauen
wie werden die schauen.
Manche wird freundlicher grüßen,
Manche auch wird es verdrießen!
Ha ha! Welchen Spaß gibt es da!

Gertrude: Seht nur, das närrisch junge Blut
wie es so kindisch tut.

Anna:
Ach Heiling, wie bin ich Euch so gut
daß Ihr mir den Gefallen thut!

Gertrude:
Seht nur, das närrisch junge Blut
wie es so kindisch tut.

Heiling:
Auch der törichte Übermut,
wie steht er Euch so gut!

Annd und Gertrude:
So laßt uns fort!

Heiling:
Mit Widerstreben
hab'ich der Bitte nachgegeben.
Doch gilt es dir ein Liebeszeichen,
so muß mein Widerwille weichen.

Annd und Gertrude:
So laßt uns gehn.
O laßt das Wort Euch nicht gereu'n,
Gewiß, das Fest wird Euch erfreu'n.

Heiling:
Wirst du mir stets zur Seite sein,
so soll es nimmer mich gereu'n.

2 Szene.

(Platz vor der Schenke unter Bäumen. Im Hintergrund freie Außicht. Stephan, Niklas und Bauern trinkend an Tischen, usw.)

Bauernchor:
Juchheisa! Juchheisa,
Heut' dürft ihr die Kannen nicht schonen,
Der heilige Festtag gehöret den Bauern,
Denn Zehnten und Steuern,
Und Zinsen und Fronen,
Kann schon armen Leuten
Das Leben versauern.

Das Tragen und Hacken,
Das Mühen und Placken
Hört heut' einmal auf.

Drum lustig, Gevattern
Und Nachbarn, stosst an,
Es lebe der heilige Florian!
Juchheisa! Juchheisa,
Heut' dürft ihr die Kannen nicht schonen,
Der heilige Festtag gehöret den Bauern,
Denn Zehnten und Steuern,
Und Zinsen und Fronen,
Kann schon armen Leuten
Das Leben versauern.

Konrad und Bauernchor:
Ein sprödes, allerliebstes Kind
Schlug jeden Antrag in den Wind,
Lacht' ihre Freier aus.
Doch als ein schmuckes Gräflein kam,
Sie flugs sich ihn zum Manne nahm,
Juchheisa hopsasa!
Ihr Bursche, bost euch grün und blau,
Ich werde gnäd'ge Frau!

Da guckt sie einst durch's Schlüßelloch,
Sieht wie ihr Mann zwei Spannen hoch
Mit andern Zwergen tanzt.
Mit kurzen Beinen, dickem Kopf,
Springt der Herr Graf, der arme Tropf,
Hophop, heisa, hophop!
Schlägt Burzelbäume flink voran,
Ein Kobold war ihr Mann!

(Während der letzten Strophe treten Heiling, Anna, und Gertrude auf. Sie stehen auf einer Seite bei den Frauen, die die Goldkette bewundern, welche Anna von Heiling bekommen hat. Heiling selbst steht zunächst unbemerkt in der Menge der Dorfbewohner, die ihn jedoch bald bemerken und ihn begrüßen. Stephan bietet ihm einen Krug Wein an, aber Heiling, der Anna mit Konrad lachen und scherzen sieht, wirft voller Eifersucht den Krug zu Boden. Anna möchte mit Konrad tanzen, doch Heiling läßt dies nicht zu.)

Anna:
Wie hüpft mir vor Freuden
Das Herz in der Brust,
Das Tanzen, das Tanzen
Ist meine Lust!
Zu schweben und drehen
Im wogenden Kranz:
O laßt Euch erbitten,
Gewähret mir den Tanz!

Heiling:
Nein! Ich kann sie nicht gewähren
Die verführend wilde Lust!

Heiling und Gertrude:
Wollt, o wollt die Bitte ihr gewähren,
Gönnet ihr die kleine Lust.

Heiling:
Nein!

Anna:
Soll ich ganz der Freud' entbehren,
Wollt ihr jede Lust mir wehren?

Heiling:
Meine Wünsche sollst du ehren
Nicht was mir verhaßt begehren!

Konrad (für sich):
Kaum kann ich dem Zorne wehren...

Gertrude (für sich):
Könnt' ich doch dem Zwiste wehren!

Anna:
Zeigt ihr Euch schon als Tyrann,
Und seid doch noch nicht mein Mann,
Sei es frei denn Euch gesagt,
Nimmer werd' ich Eure Magd!

Heiling (mit einer Bewegung nach Anna):
Anna! Anna!

Gertrude:
Kind, ich bitte!

Konrad (diese Bewegung missverstehend):
Halt! Verietzet nicht die Sitte!

Heiling (wütend):
Wagt ihr?

Gertrude:
Anna, ich bitte!

Anna (begütigend):
Nicht doch, lieber Freund,
Es war ja nicht so bös' gemeint!
Ihr wißt ich kann das Befehlen nicht leiden,
Es bringt mich zur Wut!
Seid freundlich, seid sanft und bescheiden,
Dann, ja dann bin ich Euch gut.

Heiling:
So willst du?

Anna (die Hand ihm auf den Mind haltend):
Nein, lasst es vergeßen sein.
Nicht wahr, ihr kommt mit hinein?
(rasch mit Gertrude und Konrad ab.)

Heiling (ihr nachrufend):
Anna! Anna!
Sie hört mich nicht?
Sie geht? Sie geht?
Sie hat mich nie geliebt!

(Er steht starr in sich versunken. Die Musik aus der Schenke wird lauter gehört.)

Ha jubelt! jubelt, rast in toller Lust.
Ihr weckt den finstern Geist in meiner Brust!
Mir diesen Trotz, mir diesen Hohn,
Dies meiner grenzenlosen Liebe Lohn!
Ach! ach, sie hat mich nie geliebt!

(Er stürzt wütend ab.)

Ende des Erster Akt.
 

Zweiter Akt
 

Erste Szene.

(Wilde Wald und Felsengegend; das Abendrot leuchtet durch die Bäume)

Anna:
Wehe mir! Wohin, wohin ist es mit mir gekommen?
Wie schlägt mein Herz so ängstich und beklommen,
Mein froher Mut beginnt zu wanken
Und miteinander streiten dir Gedanken.

Einst was so tieger Friede mir im Herzen,
Ich kannte keine Sehnsucht, keine Schmerzen,
War so harmlos, war so frölich.

Seit ich geliebt bin,
Ist mein Friede hin,
Und nun ich liebe,
Bin ich unglückselig.

(Sie verliert such sinnend in Gedanken)
Wohin, wohin soll ich mich wenden
wie soll es enden?
Wer wird mein Retter sein
Von dieser Pein?
Dem Bräutigam hab' ich mein
Wort gegeben,
Es hängt sein ganzes Leben
An meinem Treuversprechen!
Kann ich das je brechen?
Und dennoch hab' ich jetzt es erst verstanden
Was so mit mächt'gen Banden
Die Herzen aneinander zieht,
Daß Seel' an Seel' erglüht.
An Konrads Liebe denk' ich mit Entzücken,
Da schreckt mich Heilings Bild mit Vorwurfsblicken,
Und doch bin ich in meiner Brust
Mir keiner Schuld bewußt.
Wohin, wohin soll ich mich wenden,
Wie soll es enden...usw.

Chor der Geister (unterirdisch):
Aus der Klüfte Schlund,
Durch der Erde Grund
Drängt hinauf, empor
An das Licht hervor.

(Die Geister steigen aus der Erde empor)

Königin:
Hör' auf mein Wort,
Betörtes Menschenkind,
Ich bin gekommen dich zu warnen,
Das Unglüuck droht dich zu umgarnen,
Und ins Verderben stürzest du dich blind.

Anna (sehr bewegt):
O hohe Frau, was hab' ich denn begangen?
Was könnt ihr doch von mir verlangen?

Geisterchor:
Menschenkind gib dich gefangen
Gleich erfüllte ihr Verlangen!

Königin:
Meinen Sohn gib mir zurück!
Laß ihn frei
Aus dem Netz der Liebeszauberei.
Denn auf Erden blühet ihm kein Gluck!

Geisterchor:
Wehe dir, gehorchst du nicht!

Anna:
Wehe mir! Ich versteh' euch nicht!

Königin und Chor der Geister:
Wiße denn, dein Bräutigam
Ist Geisterfürst der Berge!
Er gehört dem Stamm
Der Gnomen und der Zwerge!

Anna:
Allmächt'ger Gott!

(Sie sinkt vermichtet nieder.)

Königin:
Öffne dein Ohr
Für die warnende Stimme,
Gib ihn mir wieder,
Den einzigen Sohn,
Gib ihn zurück
Dem verlaßenen Thron!
Sonst bist du verfallen
Dem rächenden Grimme
Der mächtigen Geister,
Sie fordern den Meister
Sie sinnen un spinnen
Grau'n und Entsetzen.
Sie schrecken und hetzen
Bie Tag und bei Nacht,
Sie schrecken und hetzen dich
Mit endloser Pein!

Geisterchor:
Wehe dir! Wehe dir!
Wirst du nicht
Gehorsam sein!

(Sie versinken langsam)

Konrad (hinter der Szene):
Wohl durch den grünen Wald mein Jägerhorn erschallt!
Wer weilt so spät und einsam noch in Walde?
Ist es ein Mensch, ein Spuk der bösen Geister?
Nur frisch heran, es soll sich bald mir zeigen.

(Er tritt hinzu und erkennt Anna)

Was seh' ich, Anna!
Um Sankt Hubertus willen, was tut Ihr hier?

Anna (ensetzt):
Laßt ab! Laßt ab von mir!

Konrad (sanft zuredend):
Kennt Ihr mich nicht? Anna, seht mich doch an.

Anna:
Ach Konrad! Konrad! Euch hat Gott gesandt!

Konrad:
O faß Euch, sagt was ist Euch hier begegnet?
Wo ist Euer Bräutigam, daß er Euch nicht beschützt?

Anna:
O schweigt von ihm. Ensetzen packt mich an!

Konrad:
Ihr liebt ihn nicht?

Anna:
Nie hab' ich ihn geliebt!

Konrad:
Und wollt sein Weib dich werden?

Anna:
Nimmer mehr. Eh' will ich in den tiefsten
Strom mich betten.

Konrad:
Ha, dieses Wort gibt erneuertes Leben,
Schwellet mir mächtig den Mut.
Trauet auf mich, Ihr sollt' nicht mehr beben!
Schutz will ich gegen die Hölle Euch geben,
Euch weih' ich all'mein Blut.

Anna (für sich):
Ja ihm vertraue ich freudig mein Leben,
Wie stärkt mich sein männlicher Mut!

Konrad:
Doch rash nun fort
Von diesem Ort
Auf immerdar!

Anna:
Doch rash nun fort
Von diesem Ort
Auf immerdar!

|Konrad:
| Laßt, o laßt Euren Weg mich beschützen,
|Euch meinen Arm, meinen Arm Euch unterstützen,
|Dann seid Ihr sicher vor jeder Gefahr!
|
|Anna:
|Er will mich mutig beschützen,
|Mich soll sein Arm unterstützen,
|Ja ich vertrau' Euch in jeder Gefahr!

2 Szene.

(Gemach in Gertrudes Hütte. Es is dunkel, eine brennende Lampe steht auf dem Tish. Feuer auf dem Herd. Der Wind heult. Gertrude sitzt mit dem Rocken in der Tiefe.)

Gertrude (sprechend):
Wo nur Ännchen bleibt, es ist finstre Nacht
Und der Wind heult kalt über die Heide.
Wüßt' ich nicht, daß sie die Wege kennt,
Mir wäre bange um sie.

(Sie geht ans Fenster)

Es ist auch kein Sternchen am Himmel.
Heihei, das stümt ja,
Als wäre das wilde Heer los.

(Sie macht das Fenster zu und fängt wieder an zu spinnen.)

Wäre nur Anna erst da!
Ich sagte es gleich,
Es wäre heute schon zu spät
Zur Base zu geh'n, der Weg ist zu weit,
Es hätte ja morgen sin können.

(Sie singt.)

Des Nachts wohl auf der Heide
Da brennt ein Flämmchen blau.
(sprechend):

Wenn sie nur ohne Anfechtung
Durch den Wald gekommen ist.

(singend wieder):

Ein geiziger, hartherziger Mann,
Den Schatz zu heben kommt er an.

(sprechend):

Wie die Hunde in den Sturm heulen.
's ist schaurig kalt.

(Sie schüttelt sich. Singend):

Und wie er gräbt, da steigt empor,
ein bleiches Totengeripp!

(sprechend):

Still, raschelt es nicht an der Tür?

(Sie horcht)

Nein, sie ist es noch nicht.

(Sie singt.)

Auf der Heide,
Da brennt ein Flämmchen blau.
Du hörst nicht auf der Armen Not,
Drum würge ich dich jetzt zu Tod.
Des Nachts wohl auf der Heide,
Da brennt ein Flämmchen.

(sprechend):

Wer kommt da?

(Konrad trägt Anna herein.)

All'ihr Heiligen, was ist gescheh'n?

Konrad:
Erschreckt nicht, Mutter Gertrude.
Es ist ihr kein Leid gescheh'n.

(Gertrude ist mit Anna beschättigt. Konrad beschwört sie, die Hochzeit zu verhindern.)

Konrad:
Ihr hört es!
Schon sein Nam' ist ihr ein Abscheu,
Und Ihr wollt sie zu solchem Bündis zwingen?
O sagt mir, Anna, wird in Eurem Busen
Für keinen Andern eine Stimme laut
Und könntet Ihr ein Herz voll unbegrenzter
Treu' und Zärtlichkeit verwerfen?

Anna:
Konrad, ach schonet mein,
Ich bin ein armes unglücksel'ges Mädchen!

Konrad:
Gönne mir ein Wort der Liebe,
Ein einzig Wort der Liebe,
Und ewig, ewig bin ich dein.
Dann soll dir kein
Tag mehr trübe
Keiner, keiner leidvoll sein.
Sorgsam will ich alle Freuden
Dir auf deinem Pfad vereinen,
Und in Leiden für dich käpfen,
Mit dir weiden!
Nur die Lieb' in deinen Blicken
Sei mein Leben, mein Entzücken,
Nur die Freud; in deinen Blicken
Sei mein Leben, mein Entzücken!
(zu Gertrude)
Lasset Gewährung mich hoffen!
(zu Anna):
Willst du die Meine sein?
Anna! Willst du die Meine sein?
Lasset Gewährung mich hoffen!
Willst du die Mein sein?
Dann ist der Himmel mir offen,
Wonne der Seligen mein!
Willst du die Meine sein?

|Gertrude:
|Ei, Kunz, wo denkt Ihr hin!
|Was kommt Euch in den Sinn?
|Wollt' ich auf Eure Worte hören,
|Was würde Meister Heiling sagen?
|
|Konrad:
|O wollt Eurer Kinder Glück gewähren,
|Ihr sollt es nimmermehr beklagen!
|Ihr sollt es nimmermehr bereuen!
|
|Anna (schüchtern):
|Darf ich wohl freud'ge Hoffnung nähren?
|Ich muß an allem Glück verzagen!

(Heiling tritt unbemerkt herein und bleibt beobachtend im Hintergrund. Anna erblickt Heiling. Entsetzt.)

Anna:
Da ist er!

Heiling:
Nimmermehr hätt'ich geglaubt,
Daß du so mich kränken könntest,
Mir so ungehorsam sein.
Doch will es dir verzeih'n,
Bald bist du mein Weib und wehe dem,
Der zwischen uns sich stellt!
Schön geschmückt sind Haus und Hof
Ihre Herrin zu empfangen.

(Heiling öffnet das Schmuckkästchen und läßt Juwelen und goldne Ketten hervornblitzen, die Gertrude von ferne anstaunt.)

Nimm demnach als Leibgedinge
Diesen Schmuck, den ich dir bringe.

(Heiling reicht Anna den Schmuck hin. Anna schauder zusammen und senkt den Blick, die Hände zusammen pressend. Konrad steht mit verschränkten Armen finstern Blicks beobachtend.)

Gertrude:
Heil'ge Jungfrau! Welch'ein Glanz,
Er verblendet mich noch ganz.

Heiling:
Wllst du mein Geschenk verschmäh'n,
Deinen Brautschmuck gar nicht seh'n?

(Er naht sich Anna damit.)

Anna (entsetzt):
Fort, hinweg mit dem Geschenk!
Nichts, o nichts will ich von Euch!

Gertrude:
Ei, Kind, bedenk'!

Konrad (für sich, mit unterdrücktem Zorn):
Gelüstet es dem Frechen
Ein hartes Wort zu sprechen.

Heiling (für sich):
Welch trotziges Erfrechen,
Nur er lehrt sie so sprechen,
Sein Verderben soll es rächen!

Gertrude (zu Anna):
Mein Kind, du mußt zur Sühne sprechen,
sonst wird der Friede brechen!

Konrad (für sich):
Gelüstet es dem Frechen
Ein hartes Wort zu sprechen,
Soll dieser Arm es rächen!

Heiling (zu Anna):
Nicht bedacht hast du dein Wort,
Fremder Eifer riss dich fort;
's ist dein Leibgedinge
Was ich bringe,
Ich, der Bräutigam deiner Wahl,
Bald dein Herr und dein Gemahl!

(Er faßt ihre Hand. Anna reisst sich los und flieht.)

Anna (zu Konrad, auf Heiling deutend):
Wenn du mich liebst so schütze mich!
Er ist ein Erdgeist!

Heiling (stürzt zusammen):
Ha!

Konrad:
Was höre ich!

Anna:
Glaubt mir doch, das war es ja,
Was ich vorhin im Walde sah,
Er stammt aus dem Reich der Zwerge,
's ist ein Geisterfürst der Berge!

Konrad (zu Heiling):
Beim heil'gen Hubert beschwör' ich dich,
Hebe dich hinweg von hier,
Sonst, bei Gott, versuche ich
Den blanken Stahl an dir!

Heiling:
Alles dahin!

|Konrad (zu Anna):
|Frei bist du, frei,
|Trotz seinem tück'schen Droh'n!
|Frei, bist du, frei,
|Ich lach' des Kobolds Wut!
|
|Anna und Gertrude:
|Gott steh' uns bei!
|Stille das feindliche Droh'n!
|Der Rache flammende Wut!
|
|Heiling:
|Hei hei! Wie sie droh'n
|Welch lustiger Hohn!

(Er sticht plötzlich nach Konrad und stürzt lachend ab.)
Hei hei! hei hei!

Anna (stürzt sich auf Konrad):
Konrad, Geliebter!

 

Vorhang

Dritter Akt

Erste Szene.

(Ödes, rings geschlossenes Felsenthal. Es is Nacht. Heiling steigt mühsam und verstört über die Felsen.)

Heiling (sprechend):
Ich bin am Ziel. Hier ruht ihr müden Gleider,
Zu Ende ist nun eire Erdenfahrt. O rasende
Verblendung, die mich trieb das Glüuck der Erde
Neidenswerrt zu finden.
Der Mensch allein kann Erdenglück genießen,
Weil dem beschränkten Stumpfsinn es genügt.
Des höhern Geistes mächtiges Verlangen
Kann nur getäuscht an seinem Schimmer hangen.
Und was ist diese mächt'ge Weibesliebe,
Der Lebenspuls von allem Menschentreiben?

Haha! Haha! O Unsinn darauf zu bauen!
Ein einz'ger Blick, ein buhlerisches Wort,
Ein einz'ger Tanz, un Lieb' und Treu'
Sind fort un die wir Alles hingeopfert.

Still! Der Erde Täuschung liegt weit
Hinter mir, Ich habe mich gerächt-
Ihr Buhl' ist tot!
Mag sie verderben nun in Gram und Not.

(Er singt):

O Mutter, hätt'ich dir gegkaubt,
Uns beiden espart'ich dann das herbe Leiden.
Doch kehr' ich wieder Mutter, und auf immer!
Weil von mir stoss'ich die unwüd'ge Schwächte,
Weit von mir jedes menschliche Gefühl!
Zum Geisterkönig wurde ich geboren
Und meiner Abkunft Stoltz ist nicht verloren!
Herauf ihr Geister aus Höhl' und Kluft,
Herauf, der Meister, der König ruft!

(Die Erdgeister steigen aus dem Boden.)

Chor der Geister:
Wer rief uns? Wer beschwört der Tiefe Geister,
Wer ist so kühn und nennt sich ihren Meister?

Heiling:
Ich bin's! Erkennet mich, meine Brüder!
Der Erde müde, kehr' ich wieder,
Ich hab'auf ewig ihr entsagt.

Chor der Geister (höhnisch):
Hast du nun an uns gedacht,
Da dein Mädchen dich verlacht?

Heiling:
Das Lachen hat sich schnell gewandt;
Ihr Buhle fiel von meiner Hand!

Chor der Geister:
Ha, ha, ha! Seht doch an!
Wie Meister Heiling prahlen kann!
Der Jäger ist frisch,
Gesund wie ein Fisch!

Heiling:
Er lebt, sagt Ihr?

Chor der Geister:
Du trafst ihn schlecht,
Er lebt und sitzet
Warm in seines Liebschens Arm!

Heiling:
So wär' ich nicht gerächt, nicht?

Chor der Geister:
Dein Schätzchen ist des Jägers Braut,
Und morgen wird's ihm angetraut!

Heiling:
So rächet ihr denn eures Königs Schmach,
Zur Hochzeit gehen wir, mir nach!

Chor der Geister:
Hast dich ja von uns losgesagt,
Geh'hin, und prüfe deine Macht!

Heiling:
Sprecht ihr eurem König Hohn?
Nieder mir zu Füßen,
Euren Trotz zu büßen!

Chor der Geister:
Wo ist deine Krone,
Wo deine Herrscherstab?
Sag' wo ist dein Buch,
Dessen Zauberspruch
Uns in Fesseln schlug?

Heiling (Seiner Hilflosigkeit inne werdend):
Mein Buch, Mein Hort,
Meine Krone fort!

Chor der Geister:
Hi hi hi hi hi hi!
Willst dich überheben
Auf der Erde leben,
Nur gemach,
Die Reu' folgt nach!

Heiling (verzweifelnd):
Ha! Das Geisterreich stößt mich zurück,
Und hin ist all'mein Erdenglück!
Alles, alles ist verloren.
O des Toren.

(Er stürzt nieder, Die Geister umgeben ihn, die Hände über ihn streckend.)

Chor der Geister:
Jetzt ist er unser auf immerdar!
Jetzt eilig hin, zur Königin!

(Die Zwerge huschen fort und kehren mit dem Zepter zurück. Zu Heiling):

Hör' uns an, verzweifle nicht!
Ob auch der Menschen Treue bricht,
Die Geister halten streng am Pflicht!
Wills du wieder uns gehören,
Dich uns ganz zu eigen schwören
Soll dieser Zepter wieder dein,
Und unsre Macht dir dienstbar sein!

Heiling:
Alles, alles will ich euch versprechen,
Laßt mich meine Schmach nur rächen,
Rache, Rache, nur will ich!

Chor der Geister (Ihm den Zepter reichend):
So nimm ihn hin!
Wir rächen dich!

Heiling:
Habt Dank, habt Dank, ihr Brüder!
Jetzt, jetzt bin ich König wieder!
Es nahet die Rache.
Wehe euch beiden,
Ihr triumphieret nicht!
Wenn ihr beim Feste
im Taumel der Freuden
Dann halte ich Gericht.

Chor der Geister:
Es nahet die Rache,
Wehe euch beiden,
Ihr triumphieret nicht!

Heiling und Chor der Geister:
Wenn ihr beim Feste
im Taumel der Freuden
Dann, ja dann halte ich/wir Gericht!

2 Szene.

(Wald, den Hintergrund nimmt eine hohe Felswald ein,auf der zur Seite eine Kapelle steht.

Bauernhochzeitsmarsch.

Stephan und vier Schützen mit ihren Hörnen, Bauern mit Stangen, Bergknappen-Musikanten, der Schulmeister, Bauern mit Fahnen, Brautjungfern, Konrad, Anna und Gertrude treten auf, Konrad den Arm in der Binde. Stephan singt.)

Stephan und Chor:
Es wollte vor Zeiten ein Jäger frei'n,
Er zog in den grünen Wald hinein.
Bau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

Er lockte das hohe und niedere Wild,
Die Männchen und Weibchen im grünen Gefild,
Ihr lieben Gesellen, ach ratet mir fein,
Wie muß mein Betragen im Ehestand sein?
Bau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

Der Jäger zuerst zu dem Bären trat,
Du zottiger Petz gib mir guten Rat!
Bau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

Da brumette der Bär: Sieh mich nur an,
Bin ich nicht ein Muster als Ehemann?
Denn dickfellig muß man bein Weibern sein,
Und brummen und brummen Jahr aus, Jahr ein.
Bau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

(Alle bewegen sich in einem Brautzug zur Kapelle him. Hans Heiling tritt auf mit einem Zepter in der Hand, ein ungebetener und unwillkommener Gast. Er hö dem Gesang zu.)

Bauern, Hochzeitgästen, Anna, und Konrad:
Segne Allmächtiger, segne dies Paar,
Schütze ihr Haupt in jeder Gefahr.
Du bist der starke Gott auf den wir bauen,
Du der Allmächtige dem wir vertrauen,
Du bist der starke Gott dem wir vertrauen,
Du der Allgütige auf den wir bauen.

|Anna:
|Ich ewig dein,
|Ich halte dich umfangen
|Und alles Fürchten vergeßsen ist's,
|Auf immer und vergangen.
|Was mir gelobt dein süßer Mund,
|Der Liebe heil'gen Eid,
|Den hat zum ew'gen Treuebund
|Der Himmel nun geweiht.
|
|Konrad:
|Nun bist du mein,
|Ich halte dich umfangen
|Und alles Fürchten alles Bangen,vergeßsen ist's,
|Auf immer und vergangen.
|Was mir gelobt dein süßer Mund,
|Der Liebe heil'gen Eid,
|Den hat zum ew'gen Treuebund
|Der Himmel nun geweiht.

(Anna und Konrad spielen nun Brautsuchen. Beiden werden die Augen verbunden und Konrad versteckt sich unter den Männern, Anna unter den Frauen. Konrad kniet im Kreise der Mädchen, die ihm die Augen verbinden.)

Chor der Mädchen:
So wollen wir auf kurze Zeit
Die Augen dir verbinden,
Hast du nach Herzens Lust gefreit,
Wirst du dein Weibchen finden.

Konrad (zu Anna):
Und wärst du tausend Meilen weit,
Ich wollte dich schon finden.

(Zwei Mädchen führen ihn rasch ab.)

Stephan:
Nun lauft mit ihm was ihr könnt,
Versteckt ihn, ich komme gleich
Mit der Braut nach.

Chor (zu Anna, welcher sie ebenso die Augen verbinden):
So wollen nur auf kurze Zeit
Die Augen dir verbinden,
Wenn du ein treues Weibchen bist,
Wirst du dein Liebsten finden.

Anna:
Ach wer dem Herzen teuer ist,
Den weiß man schon zu finden.

(Die Mädchen führen Anna im Kreise herum. Sie streckt die Hand aus. Heiling tritt vor und ergreift sie. Die Mädchen schreien laut auf und laufen erschrocken davon. )

Nun fürht mich!
Mädchen! Ha!
Was soll das Schrein?
Ihr tollen Mädchen,
Laßt die Possen sein,
So kommt doch, wollt ihr nicht?
So sprecht, iht ängstigt mich,
Ach das ist gar nicht recht!

(Sie reißt die Binde los.)

Barmherz'ger Gott!

Heiling (mit starrer Kälte):
Als Rächer komm ich her!

Anna:
Weh mir!

Heiling (tief bewegt):
Anna! warum hast du mir das getan?

Anna:
O, rechnet mir nicht Euren Jammer an!

Heiling:
Gedenkst du nicht des Tag's, da du mir Treu' versprochen,
Als ich in Wonn' und Schmerz zu deinen Füßen rang?
Warum, warum, hast du mir deine Treue gebrochen?

Anna:
Warum habt Ihr zum Menschen Euch gelogen,
In Eure grause Nähe mich gezogen,
Mit Eitelkeit mein Herz versucht?
Ich wußte nicht, was ich versprochen,
Als Ihr mich Braut gennant.

Heiling:
Verflücht!
Du hast du keine Treue mir gebrochen?
Vor meiner Lieve konnte dir schon grauen?
Wohlan, wohlan so sollst du meine Rache schauen!

Anna:
So räche dich, Entsetzlicher!
Doch nur an mir, an mir allein,
Erschöpfe alle Pein,
Und schone, schone meines Gatten nur!

Heiling:
Ha, Schädliche! So wagst du ihn zu heißen?
Aus deinem Herzen will ich diesen Namen reißen!

Anna (flieht nov ihm wankenden Schritts):
Ihr Heil'gen alle,
Schützet, rettet mich!

(Sie stürzt in die Knie, mit ausgebreiteten Armen ruft sie in Verz*uuml;ckung zum Himmel.)

In deine Hände, O Gott, befel'ich mich!

(Heiling läßt von ihr ab. Konrad tritt auf. Gertrude, Stephan, Schützen, Bauern und Brautjungfern folgen ihm, und umgeben Heiling drohrend.)

Konrad (zu Heiling):
Weiche, Verflucher!
Ihr Retter ist da!
Weh dir, Verrucher,
Die Rache ist nah!
Rufe deine Geister,
Schwarzer Hexenmeister!
Rolle nur wütend den Blick,
Hier nimm deinen Dolchstoss zurück!

(Er sticht wütend auf Heiling. Die Klinge bricht. Heiling steht unbeweglich und lacht gellend auf. Die anderen weichen entsetzt zurück.)

Gertrude, Konrad, und Chor:
Wehe! Entsetzlich!
Er ist unverletzlich!

Heiling:
Geister herbei,
Die Rache ist frei!

(Er schwingt seinen Zepter.)

Chor:
Die Höll' ist frei,
Gott steh' uns bei!

(Unterirdischer Donner. Die Bühne verfinstert sich. Plötlich steigen Gnomen mit Feuerbränden und Kobolde an mehreren Stellen unter den Hochzeitsleuten auf, die davor fliehend mehrere Gruppen des Schreckens bilden. Zwei größere sind vorn zu beiden Seiten zusammen gedrängt. Mehrere Mädchen liegen auf den Knien, die Gesichter verbergend. Die Schützen stellen sich schirmend vor die Gruppen.)

Heiling und Chor der Geister:
Wehe euch Allen!
In des Verderbens Nacht
Seid ihr gefallen.

Chor der Bauern:
Wehe uns! In des Verderbens Nacht
Sind wir gefallen.

(Während der folenden Szenerie weichen die Hochzeitsleute zu beiden Seiten zurück. Im Hintergrunde öffnet sich die ganze Bergwand und zeigt die Außicht in das mit allen Schätzen der Erde glänzend geschmückte Hölenreich. Die Königin steht auf einer Thronehöhung, Zwerge sind um sie gruppiert. Die Erdgeister werfen sich nieder, so daß die Außicht zum Hintergrunde frei wird. Heiling steht auf der einen Seite im Vordergrunde. Anna, Gertrude und Konrad auf der andern. Es wird nach und nach wieder hell.)

Königin:
Halt ein, mein Sohn, die Rache darf nicht richten,
Laß mich den Streit in Liebe schlichten.

(Die Königin steigt herab und tritt während dieser Musik weiter vor.)

Chor der Hochzeitsleute:
Ha! Welch Wunder ist geschehen?
Welch ein Glanz läß dort sich sehen?

Königin (zu Heiling):
Du hast der Erde Lust und Pein erfahren,
Hast deine Leidenschaft gebüßt,
Erherbe dich nun über sie!
Das Geisterreich beut dir die Krone,
Und treue Liebe ihrem Sohne Verheißt
Der Mutter Herz.
Hieher mein Sohn,
Hier endet aller Schmerz.

(Sie breitet die Arme nach ihm aus.)

Chor der Erdgeister:
Ihn bewegt der Mutter Rede,
Wird er sich zur Milde kehren?

Chor der Hochzeitleute:
Welche wunderbare Rede,
Wird er auf die Mahnung hören?

Heiling (der immer in sich gekehrt gestanden):
Wenn mein Kranz verblüht,
Wenn mein Herz gebrochen,
Dann, ja dann hatt' ich Wiederkehr versprochen!

(Er kämpft mit sich selbst.)

Ich komme Mutter!
Alles, alles ist erfüllt!

|Chor der Erdgeister:
|Heil, die Herrin hat gesiegt,
|Heil uns, Heil, er ist gewonnen!
|
|Chor der Landsleute:
|Wohl uns, er ist besiegt,
|Die Gefahren sind verronnen.

Heiling (er erhebt sich):
Fahr ihn, der Erde Lust und Leid!
Es war beschieden was gescheh'n,
Kein sterblich Auge soll mich wiederseh'n!

(Er geht in die Bergöffnung.)

Anna und Konrad:
Fahr wohl, fahr wohl und unter uns sei Frieden!

Anna, Gertrude, Konrad, Stephan, Erdgeister, und Landsleute:
Gottes Allmacht hat entschieden,
Allen Recht und Allen Frieden!

Anna und Konrad:
Nun endlich mein und alles Bangen,
Vergeßen sei's, auf immer vergangen.

Alle:
Gottes Allmacht hat entschieden,
Allen Recht und Allen Frieden!

Vorhang

Ende des Oper.